Deutschland soll zukünftig ein führender Standort für nachhaltige Finanzen werden – so hat es der Staatssekretärausschuss für nachhaltige Entwicklung im Februar 2019 beschlossen. Ziel ist es, den Finanz- und Wirtschaftsstandort Deutschland langfristig zu stärken, indem ein Wettbewerbsvorteil geschaffen wird. Daraus ist der Sustainable-Finance-Beirat entstanden, der von den Bundesministerien für Finanzen und Umwelt eingesetzt wurde.

Aufgabe des Beirates ist es, die Bundesregierung zu beraten, wenn es um die Ausarbeitung und Umsetzung von nachhaltigen Strategien in der Finanzbranche geht und konkrete Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Dabei sollen bestehende Expertisen gebündelt und der Dialog unter den Akteuren gefördert werden.

In seiner konstituierenden Sitzung des Beirats am 6.6.2019 ging es zunächst einmal darum, die Arbeitsweise sowie den Aufbau der Arbeitsgruppen festzulegen. Die Liste der Mitglieder findet sich in einer Pressmitteilung des BMF. Erste Punkte für eine Strategie sollen bereits am 16. Oktober 2019 beim 3. Sustainable Finance Gipfel in Frankfurt öffentlich vorgestellt und diskutiert werden.

EU-Aktionsplan Finanzierung Nachhaltigen Wachstums

Die Bundesregierung definiert Sustainable Finance – nachhaltige Finanzen – mit der „Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten bei Entscheidungen der Finanzmarktakteure“. Das Ganze basiert auf dem EU-Aktionsplan Finanzierung Nachhaltigen Wachstums. Dieser enthält Handlungsempfehlungen für die Finanzierung der Klimaziele von Paris sowie der Sustainable Development Goals – SDGs – durch Umlenkung der Kapitalströme. Insgesamt formuliert der EU-Aktionsplan zehn zentrale Ziele. Details hierzu finden Sie beim Forum Nachhaltige Geldanlagen.

Praxisrelevanz für Kreditinstitute

Welche Relevanz hat die Arbeit des Beirates in der Praxis für deutsche Kreditinstitute? Dieser Frage gehen mehrere Bankenverbände in ihrer gemeinsamen Veröffentlichung Sustainable Finance – Impulse der Deutschen Kreditwirtschaft vom 13. Mai 2018 nach. Dies sind: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V., Bundesverband deutscher Banken e.V., Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands e.V., Deutscher Sparkassen- und Giroverband e.V., Verband deutscher Pfandbriefbanken e.V.

Als Quintessenz des Papiers ist festzuhalten, dass die Verbände eine Sustainable Finance-Strategie der Bundesregierung ausdrücklich begrüßen. Wichtig sei es jedoch, beim Ausgestaltungsprozess den Schwerpunkt auf die Rahmenbedingungen sowie auf notwendige Anreizmechanismen zu legen. Das Positionspapier können Sie auf der Seite des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V. herunterladen.

Erstes Fazit:

Eines ist klar: Grundsätzlich ist die Bemühung zu begrüßen, dass die Produkte der Finanzbranche nachhaltiger werden sollen. Aber wie immer kommt es darauf an, was man daraus macht und wie viele Kompromisse man eingeht. Die deutsche Kreditwirtschaft wurde bereits durch das CSR-Richtlinien-Umsetzungsgesetzt auf einen guten Weg gebracht, sich ernsthaft mit seinen Nachhaltigkeitsleistungen auseinanderzusetzen. Damit ist eingetreten, was ich schon lange erhofft und erwartet habe: Wer verpflichtet ist darüber zu berichten, was er rund um das Thema Nachhaltigkeit macht, wird spätestens dann auch anfangen, sich ernsthaft damit auseinander zu setzen, welche Wirkung sein Kerngeschäft auf Umwelt und Mensch hat und daraus Maßnahmen entwickeln, die diese Wirkung verbessern.

 

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