Warum kommt die Ethik nicht in die Wirtschaft?

„Kann man Ethik kaufen?“ fragt die Zeit in ihrer Ausgabe vom 9. Januar und beschreibt, wie Geistliche und Philosophen von den großen Wirtschaftsbossen Deutschlands für Vorträge gebucht werden, um zu lernen, wie sie bessere Wirtschaftslenker werden.

In der Tat haben Ethik und unternehmerische Verantwortung eine enorme Bedeutung in der gesellschaftlichen Diskussion eingenommen. Ehrenhaftes Verhalten wird erwartet und die Entrüstung über jeden neuen Skandal ist groß: Bankenpleiten, Schmiergeldaffären, Verbrauchertäuschung, Lieferantenausbeutung, Blutdiamanten, Mitarbeitermobbing… die Liste ist unendlich lang. Regierung und Kommunen, IHKs und Innungen sowie Unternehmen aller Größen haben sich CSR und Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben. Gleichzeitig versucht sich ein Markt an Beratern zu etablieren, der vielleicht das große Geschäft wittert, ganz sicher aber – meist von eigenen Werten und Visionen geprägt – die Welt ein bisschen besser machen möchte.

Doch an der Nachfrage hapert es noch!

All diejenigen, die über ethische Unternehmensführung diskutieren und verlangen, dass sie umgesetzt wird, vergessen, dass auch dies eine gewisse Systematik verlangt. Wertebasierte Unternehmensführung muss sich auf alle Bereiche der Firma beziehen damit sie funktioniert. Da nützt es nichts, einen Praktikanten an eine Bestandsaufnahme zu setzen und die Erkenntnisse anschließend in schöne Imagebroschüren oder Onlineauftritte fließen zu lassen.

Wer es ernst meint mit der Unternehmensverantwortung geht systematisch vor: Wie bei jedem Projekt sind Ziele zu definieren, Strategien zu entwickeln, Maßnahmen herauszuarbeiten und Meilensteine festzulegen.

Doch viele Unternehmen scheuen den Aufwand, weil ihnen die Personalressourcen im eigenen Haus fehlen. Genau hier sind externe CSR-Berater das Mittel der Wahl. Sie helfen neutral und an der Stelle, wo Hilfe benötigt wird. Dies beginnt mit der Bestandsaufnahme, geht über die Werte- und Themendefinition hin zur Maßnahmenentwicklung und Evaluation. Oder er steht als Sparringspartner zur Verfügung und hilft dort, wo auf die Schnelle Unterstützung benötigt wird.

Ein CSR- oder Nachhaltigkeitsberater muss nicht teuer sein – es hängt davon ab, wo man mit seiner unternehmerischen Verantwortung hin will: Ist es ein Marketingtool oder echtes Engagement!? Der Kunde entscheidet – hoffentlich im Sinne seines Unternehmens.

Und wer sich einen Ethikberater für Vorträge ins Haus holt ist vielleicht schon auf dem richtigen Weg. Aber er sollte nicht vergessen: Die Ethik kommt nicht durch Vorträge ins Unternehmen sondern durch Handeln!