Esoterischer Quatsch

oder:

Management und Spiritualität – zwei Antipoden?

Es sind die zufälligen Begegnungen, die das Leben spannend machen und immer wieder neue Denkrichtungen eröffnen. So ging es mir kürzlich, als ich in der U-Bahn eine Dame beobachtete. Sie schien müde und doch sehr entspannt und zufrieden. In ihrem (für jeden gut einsehbaren) Einkaufskorb lag ein Blatt Papier mit einem Wochenplan dessen Titel mich elektrisierte: „Management und Spiritualität“. Das machte mich neugierig und so sprach ich sie an.

Wie sich herausstellte befand sie sich in der Ausbildung zum Personal- und Businesscoach. Sie hatte gerade den Plan für das nächste Blockseminar erhalten, in dem es eben um Management und Spiritualität ging. Wir kamen ins Gespräch und unterhielten uns über Denkweisen im Management, Aufgaben von Führungskräften und der inneren Einstellung dem Leben, dem Beruf und den Mitarbeitern gegenüber. Es gefiel mir, was sie erzählte und ich freue mich aufrichtig für alle zukünftigen Coachees, die sich von dieser Dame auf ihrem Weg begleiten lassen.

Ich selbst beschäftige mich seit einiger Zeit privat mit dem Thema Spiritualität. Durch meine Yogapraxis und ein Aha-Erlebnis*, das ich vor fünf Jahren als esoterischen Quatsch abgetan hätte, hat für mich ganz persönlich ein neues Denken und Fühlen begonnen. Ja, ich schätze, ich stecke gerade mitten im Prozess der spirituellen Transformation. Plötzlich wurde mir klar: Mein Transformationsprozess ist gar nichts Privates! Nein, nach meinem Gespräch mit meiner U-Bahnbekanntschaft sehe ich ihn als einen wesentlichen Teil meiner professionellen Arbeit, den ich unbewusst schon seit Langem verfolge.

Was ist Spiritualität?

Wikipedia zitiert Professor Arndt Büssing: „Mit dem Begriff Spiritualität wird eine nach Sinn und Bedeutung suchende Lebenseinstellung bezeichnet […].“ Außerdem sei einer der Faktoren, die Spiritualität ausmachen, ein „bewusster Umgang mit anderen, sich selbst und der Umwelt […].“** Letztlich geht es also um Sinn- und Wertfragen. (Natürlich gibt es noch tiefer gehende Definitionen, die von Religiosität bis Esoterik reichen. Dies sind zwei Enden eines Themenfeldes. Da ich aber weder Soziologin, noch Psychologin oder Theologin bin, möchte ich dieses Feindefinition hier außen vor lassen.)

Spiritualität = Werte = CSR?

Und damit schließt sich der Kreis, finden Sie nicht? Welcher Kreis, mögen Sie fragen. Na, ganz einfach: Der Kreis, warum das Verlangen nach Corporate Social Responsibility entstanden ist. Denn CSR ist Werte-basiert. Wer CSR ernst nimmt, überlegt sich im Vorfeld, was ihn (also das Unternehmen) antreibt. Was ist es, das unsere Arbeit ausmacht? Welche Dinge sind uns wichtig? Wie sieht unsere Unternehmenskultur aus? Er legt also die „innere Haltung“ (s)eines Unternehmens fest und definiert sein Selbstverständnis. Im Leitbild hält er die allgemeinen Grundsätze und Überzeugungen fest – dies sind die Werte, die hinter den Geschäftszielen stehen.

Die Formel auf Spiritualität = Werte = CSR herunter zu brechen ist vielleicht sehr vereinfacht. Aber lassen Sie sich die Argumentation nochmals auf der Zunge zergehen…:

„bewusster Umgang mit anderen, sich selbst und der Umwelt […].“ Das sind die Dimensionen, in welchen sich CSR bewegt. So gesehen, liegen also CSR und Spiritualität durchaus nahe beieinander. Und so erscheint auch ein Miteinander von Management und Spiritualität logisch.

Denn sind es nicht die inneren Überzeugungen, die unser Handeln begleiten? Sind sie es nicht, die uns dazu führen, eine Situation auf ganz bestimmte Weise zu beurteilen? Und sind sie es nicht, die die Privatperson in uns immer auch zur Business-Person an unserem Arbeitsplatz macht? Wir sind niemals nur das eine oder das andere. Im Übrigen sind es meine ganz persönlichen Werte, die mich dazu gebracht haben, eine gute bezahlte Führungsposition als Pressereferentin aufzugeben und mich als CSR-Trainerin und -Beraterin selbstständig zu machen.

Was machen wir jetzt mit dieser Erkenntnis?

Bisher habe ich meine Ideen zur Spiritualität für mich behalten, weil ich das Gefühl hatte, das hat im Geschäftsleben nichts zu suchen. Zu groß war meiner Angst, dass sie als „esoterischer Quatsch“ abgetan werden würde. Einen Schritt weiter geht die in der Fußnote erwähnte Quantenheilung. Aber je mehr ich darüber nachdenke und dazu lese, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass wir uns mehr austauschen sollten: darüber was uns antreibt und welche Werte und spirituellen Erfahrungen wir gewinnbringend in unser Arbeitsleben tragen können.

Management und Spiritualität sind meines Erachtens also keine Antipoden. Nein, sie gehören zusammen und ergänzen sich!

Übrigens:
Überraschend kam hinzu, dass kurz nach meinem U-Bahnerlebnis ein Kongress in München stattfand, bei dem es genau darum ging: Wie bekommen wir mehr Spiritualität ins Geschäftsleben? Organisiert wurde er von Wisdom Together, einem Verein, der von dem Ex-Google-Manager Alfred Tolle gegründet wurde, weil er unglücklich war über die „entspiritualisierten“ Entwicklungen in der Digitalwirtschaft. Leider konnte ich nicht teilnehmen. War sicher spannend.

 


*Quantenheilung: Dies ist eine Form der Energiearbeit, die durch sanfte Berührung (Zweipunktmethode) Energieblockaden löst und Prozesse der Selbstheilung aktiviert. Klingt schräg, funktioniert aber.

**https://de.wikipedia.org/wiki/Spiritualit%C3%A4t (Zugriff am 15.7.2017)

 

 

 

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